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Eve Joy und Peter Patzak stellen ihre Werke in der Galerie Gut Gasteil aus

In ihrer durch einen Schlaganfall unerwartet hereingebrochenen Sprachlosigkeit fand Eve Joy Patzak in der Zeichnung ein wichtiges Ausdrucksmittel. Für Ehemann und Filmemacher Peter Patzak war die Malerei das erste Medium, ehe ihn Schreiben und Film ins Rampenlicht zogen. Ihre Werke hängen bis 19. August in der Galerie Gut Gasteil (Gemeinde Prigglitz).

Nach Wien kam die, in New York aufgewachsene, Eve Joy vor mehr als 40 Jahren, um Psychologie zu studieren, lernte in der Doanumetropole Peter Patzak kennen und arbeitete lange Jahre als Leiterin des Kinderhauses in Gugging, das heute das „Haus der Künstler“ beherbergt. Vor fünf Jahren verlor sie durch einen Schlaganfall ihre verbale Sprache. Und begann zu zeichnen: Mit klarem, durchgängigem Strich sind das meist weibliche Figuren, oft in der Rückansicht oder aus der Perspektive von oben, die herausgehoben aus einem Umfeld ganz für sich stehen. Jedes der Gesichter erhält mit wenigen Details einen ganz eigenen Ausdruck: Traurig, besorgt, neugierig, tröstend, fröhlich … ein unglaublicher Nuancenreichtum, der die vielschichtige
Wahrnehmungs- und Empfindungswelt von Eve Joy Patzak widerspiegelt. Jedes Bild erhält einen sehr konkreten Ein-Wort-Titel.
Die Sprache kehrt nun langsam wieder zurück – die Zeichnung bleibt. Und zunehmend zeigt Eve Joy Patzak auch ihre Werke in Ausstellungen wie der Galerie Gut Gasteil, sowohl alleine als auch gemeinsam mit den Bildern ihres Mannes Peter.

Florian Reese vom Atelier 10 (l.) mit Galeristin Charlotte Seidl und Künstler Peter Patzak (r.).

Die Malerei hat den österreichischen Bildkünstler Peter Patzak durch all die Film- und Schreibjahre immer beschäftigt.  Die Bilder sind für ihn der persönlichste Ausdruck, er malt auch heute noch in der Nacht, wenn rundum Ruhe eingekehrt ist.
Diese Bilder vermitteln – überwiegend im Hochformat – ihre Botschaften meist in stark abstrahierter Form und erinnern in ihrem mystischen Erscheinungsbild an die spirituelle Kraft von Ikonen, sind Tableaus und archaische Bildtafeln. Als manchmal ziemlich realistisch, manchmal symbolisch dargestellte Türen und Fenster können sie den Gedankenfluss in die Weite der Phantasie öffnen und vor dem oft  düster-magischen Hintergrund regen vielschichtige Farbkontraste in Gelb, Rot oder Blau das sinnliche Empfinden an. Hinter den Fenstern und Türen erstreckt sich die Tiefe des Raums – schnell ist man auf der Ebene der Metapher und mit seinen Titeln gibt Peter Patzak dazu „Verdachtsmomente“, wie er das nennt.
Die Themen treten in Serien auf, in Variationen, Ansichtsweisen und Entwicklungen, wobei jedes Einzelbild für sich selbst steht, im Zusammenhang kann das durchaus Ähnlichkeiten mit dem Ablauf des Films suggerieren. Besonderen Stellenwert haben für Peter Patzak das Wort, die Sprache und die Schrift. So bezieht er sich in seinen Bildern beispielsweise gerne auf schriftliche Zeugnisse oder auch Geschichten aus der Antike oder anderen weit zurückliegenden Epochen. „Briefe nach
Perigord“ heißt ein Zyklus, der sich auf den Philosophen des 16. Jahrhunderts Michel de Montaigne bezieht oder „Das Buch der Nikarete“, das sich mit der antiken Hetäre aus dem 4. Jahrhundert vor Christus  beschäftigt. Der Neugierde und Offenheit entsprechend, fand und findet Peter Patzak Impulse und Anregungen auch in ganz anderen Kulturkreisen.
Der Zyklus „Shanghai Notebooks. Mitteilungen, Warnungen, Eintragungen“ aus dem Jahr 1995 zeigt, wie er aus der der altchinesischen Zeichnung und Malerei den Faden aufnimmt und weiterspinnt. „Briefe an Eve Joy“ sind die Grundlage einer aktuellen Gemäldeserie. Da schreibt Peter Patzak mit Ölfarbe seine Botschaften auf die Leinwand, übermalt, schreibt, übermalt … und überträgt die ganz konkreten, für ihn wichtigen Sätze – inhaltlich freilich für den Betrachter nicht mehr wahrnehmbar – in ein nicht nur visuell berührendes Bildgeschehen, das zum Rätseln und Träumen einlädt.

Verena Kienast

Am Samstag wurde die sehenswerte Ausstellung eröffnet

Fotos: Hans D. C. Weghofer

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