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Das Lichtmess-Singen ist jetzt immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Der nächste Winter kommt bestimmt und mit ihm das Lichtmess-Singen, das als uralter Brauch in der Nacht vom 1. auf 2. Februar im südlichen Niederösterreich gelebt wird. „Diese Tradition wurde jetzt in das ‚Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO‘ eingetragen“, freut sich der Ternitzer Vizebürgermeister Christian Samwald, der selbst seit vielen Jahren als Lichtmess-Sänger unterwegs ist.

In zahlreichen Ortschaften des Bezirkes ziehen in der Nacht vom 1. auf 2. Februar, an Maria Lichtmess, eine oder mehrere Sängerscharen von Haus zu Haus um Glückwünsche zu überbringen. Die HausbewohnerInnen bedanken sich mit Bewirtung im Anschluss und/oder Geldspenden, welche heutzutage vielerorts für karitative Zwecke verwendet werden.

 

 

In den Ternitzer Ortsteilen, wie zum Beispiel Pottschach, Raglitz, Flatz, Sieding, St. Johann und Putzmannsdorf, wird traditionell die Strophe  „Mir hörn die Schlüssel scho klingen, sie werdn uns glei wos bringen. Mir hörn die Tür scho krochn, sie werdn uns glei aufmochn“ gesungen. Das ist die Aufforderung an die HausbewohnerInnen, die Türe zu öffnen und die Lichtmess-Sänger zu bewirten, die spät abends oft bis tief in die Nacht unterwegs sind.

Die Putzmannsdorfer Lichtmess-Sänger mit Vize Christian Samwald (v.l.).

Der älteste schriftliche Nachweis des Lichtmess-Singens im südlichen Niederösterreich stammt aus dem ausklingenden 19. Jahrhundert, wobei anzunehmen ist, dass der Brauch schon viel länger ausgeübt wird. Obwohl es einige Aufnahmen von Lichtmess-Liedern gibt, werden diese nach wie vor mündlich innerhalb der Sängerscharen von einer Generation an die nächste gegeben. Die Strophen des Lichtmesslieds überbringen mit religiösen und weltlichen Texten Glückwünsche und oftmals auch heitere oder spontane Inhalte. Ein Vorsänger singt die tradierten oder neu getexteten Strophen, während der Chor, die „Nochisänger“, die Kehrverse präsentieren.

„In den Ternitzer Ortsteilen ist das Interesse der Ortsbevölkerung nach wie vor enorm groß und auch die Jugend hält begeistert diese Tradition hoch“, so Vizebürgermeister LAbg. Mag. Christian Samwald, „Ich bedanke mich bei den Initiatoren und der Arbeitsgemeinschaft, die das Lichtmess-Singen bei der UNESCO eingereicht und die Aufnahme in das Verzeichnis erfolgreich durchgesetzt hat“.

UNESCO geschützt gelebte Traditionen

In Ergänzung zum UNESCO Weltkulturerbe, bei dem besonders schützenswerte Baudenkmäler, Stadtensembles, Kulturlandschafen, Naturlandschaften und Schutzreservate aufgelistet sind, wird seit 2003 auch den vielfältigen gelebten Traditionen internationale Aufmerksamkeit geschenkt und unter dem Begriff „Immaterielles Kulturerbe“ weltweit von der UNESCO dokumentiert und geschützt.

 

Immaterielles Kulturerbe im Sinne des UNESCO-Übereinkommens umfasst:

o Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes

o Darstellende Künste (Tanz, Theater, Musik)

o Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

o Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

o Traditionelle Handwerkstechniken

 

Auf Beschluss des „Fachbeirates für das Immaterielle Kulturerbe“ der Österreichischen UNESCO-Kommission werden verschiedene Elemente in das „Österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Sie sind damit „Österreichisches Immaterielles Kulturerbe“. Aktuell umfasst das Verzeichnis mehr als 90 Elemente wie zum Beispiel auch die „Klassischen Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule“ und die „Falknerei“ in Österreich.

 

Nähere Informationen findest du unter:

UNESCO „Welterbe“: www.unesco.at/kultur/welterbe/

UNESCO „Immaterielles Kulturerbe“: www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/

Foto: Stadtgemeinde Ternitz

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