Wallfahrt gegen den umstrittenen Semmering-Basistunnel
“Wann wachen die Leute endlich auf?”
Diese Frage stellt sich die Mitglieder der Bürgerinitiative “STOPP dem Bahn-Tunnelwahn” in Anbetracht des offensichtlich mangelnden Interesses vieler Bewohner des durch den geplanten Semmering-Basistunnel betroffenen Gebiets.
Dass der Bau erhebliche Auswirkungen auf die Hydrogeologie und die Quellen der Region hat und ein “Zwischenangriffs-Stollen” in Göstritz nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung gefährden würde, das sehen im Moment noch die Wenigsten. Mag. Peter Derl von der Bürgerinitiative befürchtet: “Erst wenn täglich bis zu 180 Lastwagen durch Maria Schutz oder das angrenzende Erholungsgebiet rollen, werden die Menschen wohl langsam begreifen, was ihnen die ÖBB da wirklich beschert hat. Die Auswirkungen der Staubbelastung durch die Zementmischanlage wird man vielleicht erst zehn Jahre später bemerken.” – Dann allerdings ist es zu spät!
Dies ist auch der Grund, warum die Initiative am Palmsonntag zu einer Demonstration aufgerufen hat. Von Göstritz nach Maria Schutz wanderten die besorgten Anrainer, was für einige Verkehrsbehinderungen sorgte.
Obwohl die Demonstration bei der Bezirkshauptmannschaft in Neunkirchen und bei der Polizei angemeldet wurde, war von der Exekutive nicht ein Vertreter dabei. Also nicht nur bei der Mehrzahl der betroffenen Bevölkerung herrscht derzeit noch völlige Ahnungslosigkeit über die drohenden Gefahren rund um dieses umstrittene Monsterprojekt…
Anrainer Alexander Leodolter ist besorgt: “Nicht auszudenken, was hier durch die Nachlässigkeit der Behörden hätte passieren können. Schließlich war auch unsere kleine Celina mit dabei.” Celina ist zwei Jahre alt und sollte in einer intakten Umwelt aufwachsen, was der Grund für ihre Eltern war, in der “Einschicht” in Göstritz heimisch zu werden.
Nach ihrer Wallfahrts-Demo stellte sich die Gruppe vor der Kirche in Maria Schutz auf, wo man den Fragen Rede und Antwort stand (Bild). “Wir werden weiterhin alles tun, um die Menschen auf die Bedrohung durch diese unnötige Monsterbaustelle aufmerksam zu machen”, verspricht Alexander Leodolter, “denn bis zur Einreichung des Projekts zur Umweltverträglichkeitsprüfung im Mai ist nicht mehr viel Zeit”. Tatsächlich wird die ÖBB voraussichtlich im Mai die Pläne einreichen, mit einer Entscheidung ist dann im Februar 2011 zu rechnen. Die Initiative “STOPP dem Bahn-Tunnelwahn” wird im Prüfverfahren Mitspracherecht erwirken und die Probleme aufzeigen, die der Bau des Tunnels verursachen würde.
Als gesichert kann angenommen werden, dass der “Zwischenangriff Göstritz” in jedem Fall errichtet wird, falls das Okay für das Gesamtprojekt kommt. Schließlich wird dieses Teilvorhaben mit eingereicht. Da helfen auch keine Beschwichtigungen von VP-Ortschef Walter Polleres, welcher lediglich “gegen den Zwischenangriff, nicht aber gegen den Tunnel” ist, wie er selbst immer wieder betont. Des Weiteren droht der Verlust des Weltkulturerbe-Status der Semmeringbahn, falls es durch die Errichtung des Tunnels zur Stilllegung der Gebirgsbahn kommt.
Kommt Semmeringbahn auf die “Roten Liste des gefährdeten Welterbes”?
Der Gründungsdirektor des UNESCO-Welterbe-Zentrums Prof. Dr. Bernd von Droste zu Hülshoff präzisierte die Gefahr, die in diesem Zusammenhang der historischen Ghegabahn – sie ist bekanntlich mit der umgebenden Landschaft bis nach Reichenau UNESCO-Weltkulturerbe – durch den umstrittenen Semmering-Basistunnel droht: “Sollte die historische Semmeringbahn tatsächlich einmal durch einen Basistunnel ersetzt werden, könnte dies zur Stilllegung und schlimmstenfalls zum Verfall dieser bedeutenden Gebirgs- und Landschaftsbahn führen. Eine Eintragung in die Rote Liste des gefährdeten Welterbes wäre die Folge. Umso mehr ist es aus heutiger Sicht notwendig, auf den unschätzbaren Wert dieses Kleinods hinzuweisen.” Dies wäre zweifellos eine arge Blamage für Österreich!
Wer zwar um unsere von der Wahnsinnsröhre bedrohte Umwelt besorgt ist, aber nicht selbst demonstrieren will, kann seine Sorge manifestieren, indem er_sie die Bürgerinitiative finanziell unterstützt. Dazu wurde das Konto 04280228001 (BLZ 12000), lautend auf: Mag. Peter Derl, STOPP dem BAHN TUNNELWAHN eingerichtet.
Über den aktuellen Stand der Dinge informiert die Bürgerinitiative auf ihrer Homepage www.mariaschutz.at.





1. April 2010 








die reaktion wird wie folgt aussehen, darauf wette ich:
“Sehr geehrte Frau,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 01.04.2010
Wir bedauern, dass es im Zusammenhang mit der ÖBB-Personenverkehr AG zu Problemen gekommen ist. Kundenfreundlichkeit und -information zählen zu den wesentlichen Kernkriterien der ÖBB. Qualitätssteigerung und laufende Verbesserungen sind uns ein großes Anliegen. Anregungen und Kritikpunkte unserer KundInnen nehmen wir auf und leiten daraus passende Maßnahmen ab.
Um Verbesserungen realisieren zu können, nutzen wir das Beschwerdemanagement als Inputgeber an die jeweiligen Fachabteilungen. Diese sind für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich. Kontinuierliche Auswertungen und Evaluierungen durch das Qualitätsmanagement der ÖBB-Personenverkehr AG geben uns Auskunft über die Effizienz der gesetzten Maßnahmen.
Wir bedanken uns dafür, dass Sie uns Ihr Anliegen mitteilen. Dadurch ist es uns möglich, Fehlerquellen zu erkennen und in den Maßnahmenmanagement-Prozess einzusteuern. Deshalb haben wir Ihr Schreiben nach Erhalt an den zuständigen Fachbereich weitergeleitet und entsprechende Maßnahmen eingefordert.
Für die Ihnen entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns und hoffen, dass Sie auch weiterhin dem umweltfreundlichen Mobilitätsanbieter Bahn vertrauen.
Mit freundlichen Grüßen
Für die ÖBB Personenverkehr AG
” zitat ende
Nachfolgenden offenen Brief haben wir am Montag, 29.3.2010 an die ÖBB geschrieben. Bisher ohne Reaktion.
Sehr geehrter Herr DI Haas, sehr geehrter Herr DI Gobiet,
Bei diesem Mail handelt es sich um einen offenen Brief, den ich als Mitinitiator der Bürgerinitiative „STOPP dem BAHN-TUNNELWAHN!“ http://www.mariaschutz.at an Sie, an Betroffene, an die Gemeinde Schottwien, an den Finanzminister und als gesondertes Mail an ausgewählte Medien sende. Wir erwarten von Ihnen binnen 48 Stunden eine verbindliche Antwort auf unsere Forderungen.
In Ihrem Mail vom 19. März lehnen Sie die Einrichtung eines „BürgerBeirates“ mit Verweis auf Gemeindeforen ab. Ich möchte festhalten, dass es bezüglich der Bürger in der Gemeinde Schottwien am 20.01.2010 die erste und bisher einzige Info-Veranstaltung der ÖBB gab. Das nennen Sie jahrelange Einbindung der Bürger. Bei dieser Info-Veranstaltung konnten von der ÖBB viele der Fragen nicht beantwortet werden und wurde uns deshalb eine weitere Info-Veranstaltung im April/Mai zugesagt.
Unsere Hauptbedenken gegen das Projekt „Semmering-Basistunnel neu“ richten sich
1. gegen den sogenannten „Zwischenangriff Göstritz“, wo wegen der angekündigten Lärm- und Feinstaubbelastung die Orte Göstritz und Maria Schutz praktisch 7 Jahre unbewohnbar werden
2. aus Umweltgründen gegen das Gesamtprojekt weil auf den Gebieten Geologie/Hydrologie auch unabhängige Experten wie Hr. Dr. Lueger (siehe PDF) katastrophale Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der gesamten Region erwarten
3. aus ökonomischen Gründen gegen das Gesamtprojekt, weil es sich beim Semmering-Basistunnel und beim Koralm-Tunnel um ein regionalpolitisch verursachtes Milliardengrab (inkl. Finanzierungskosten geht es um 40 Milliarden Euro) handelt. Entgegen der Behauptungen der ÖBB, gehören weder der Semmering-Basistunnel noch der Koralm-Tunnel zum baltisch-adriatischen Korridor. Nach TEN-V führt die baltisch-adriatische Hauptstrecke über Budapest. Es handelt sich also bei diesen beiden Projekten um rein innerösterreichische Projekte, für die es (lt. ÖBB-Insider) gar keinen Bedarf gibt.
Wir fordern:
1. den „Zwischenangriff Göstritz“ aus der Planung zu nehmen, um die unzumutbaren Belastungen zu vermeiden
2. die Finanzierung einer von Dr. Josef Lueger durchgeführten unabhängigen Studie (in der Größenordnung von € 8.000,–) zur Objektivierung der geologisch/hydrologischen Auswirkungen und die umgehende Herausgabe der dafür erforderlichen detaillierten Projektunterlagen
3. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung für das Projekt „Semmering-Basistunnel neu“ unter Zugrundelegung aktueller Verkehrszahlen aus den Jahren 2008 oder 2007.
Mit freundlichen Grüßen
Mag. Peter J. Derl
+43 664 5161863