ÖBB-Sparprogramm: Über den Semmering fahren wieder mehr Dieselloks
„Die 184 Sitzplätze der Elektrotriebwagen der Baureihe 4020 sind für diese Einsätze überdimensioniert, daher haben wir uns für eine wirtschaftlichere Lösung entschieden. Der ab 5. Juli eingesetzte Dieseltriebwagen der Baureihe 5047 hat nur mehr 124 Sitzplätze“, teilt ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit.
Einsparungen bei den Betriebskosten erwarten die ÖBB von den so genannten Haltewunschtasten, die wie in einem Autobus oder in der Straßenbahn funktionieren. „Möchte niemand aus- oder einsteigen, fährt der Zug durch die Haltestelle durch und spart Energiekosten“, erklärt Seif. Sollte sich das Konzept bewähren, startet im Spätherbst ein zweiter Dieseltriebwagen im Regionalzugverkehr über den Semmering.
Für den stellvertretenden Klubobmann der Grünen in Niederösterreich, den Neunkirchner Vizebürgermeister Martin Fasan, gehen die geplanten Änderungen der ÖBB auf der Semmeringbahn dagegen in die falsche Richtung. „Auf einer seit 1959 durchgehend elektrifizierten Strecke plötzlich wieder auf Dieselbetrieb zu setzen, ist für mich nicht wirklich zeitgemäß.“ Kritisch beurteilt der Vizebürgermeister auch die bei diesen Zügen anvisierte Einsparung von Schaffnern. Dieseltriebwagen der Reihe 5047 sind für den so genannten 0:0-Betrieb konzipiert. Dabei überwacht der Triebfahrzeugführer in den Stationen über Rückspiegel den Fahrgastwechsel und fertigt den Zug selbständig ab. „Gerade im Ausflugsverkehr auf der Semmeringbahn ist der Schaffner für viele Reisende eine wichtige Bezugsperson“, sagt Fasan.
Statt Angebote zu reduzieren, wäre es seiner Ansicht nach viel wichtiger, noch mehr Anrainer entlang der Semmeringbahn zu regelmäßigen Bahnfahrern zu machen. „Sonst ereilt den Regionalverkehr am Semmering über kurz oder lang dasselbe Schicksal wie am Arlberg“, befürchtet Fasan. Dort haben die ÖBB sämtliche Regionalzüge bereits vor mehr als zehn Jahren von der Schiene auf die Straße verlagert.






27. Juni 2010 






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