Eiszeit zwischen Umweltschützern und Semmering wegen Tunnel-Werbung
Das passt zusammen, wie Feuer und Eis: Ausgerechnet am Informationsstand für das Weltkulturerbe Semmeringbahn werben die Betreiber des Semmering-Basistunnel-Projektes für ihre in unserer Region ziemlich ungeliebte geplante Monsterröhre. Da war der Protest der Tunnelgegner sehr vorhersehbar.

Der Stein des Anstoßes ist diese Werbetafel für den umstrittenen Semmering-Basistunnel in der Welterbe-Informationsstelle am Semmeringer Bahnhof
Bekanntlich hat die Umweltorganisation „Alliance For Nature“ (AFN) bereits 1993 die Initiative „Weltkulturerbe Semmeringbahn“ ins Leben gerufen, um einerseits das niederösterreichische Landschaftsschutzgebiet „Rax-Schneeberg“ vor den gigantomanischen Eingriffen durch den geplanten und nicht minder umstrittenen Semmering-Basistunnel und andererseits die historische Semmeringbahn vor der Einstellung zu bewahren. Zudem ließ die „AFN“ auch die Schutzmarke „Weltkulturerbe Semmeringbahn®“ beim Österreichischen Patentamt registrieren.
AFN-Generalsekretär DI Christian Schuhböck erklärt: „Aufgrund der bislang guten Kooperation zwischen AFN und dem Verein Freunde der Semmeringbahn unter dem bisherigen Obmann Altbürgermeister Hermann Düringer haben wir nichts dagegen gehabt, dass unter dem Titel Weltkulturerbe Semmeringbahn eine gleichnamige Informationsstelle des Vereines der Semmeringbahnfreunde im Bahnhof Semmering geführt wird.“
Was die Umweltschützer nun aber zu heftigem Zorn bewegt, ist eine sehr undiplomatisch und patschert installierte Werbetafel in der Informationsstelle „Weltkulturerbe Semmeringbahn“ für den umstrittenen „Semmering-Basistunnel“, die sich ausschließlich auf unkritische Hurra-Werbung beschränkt und die Problematik des Tunnelprojektes komplett ignoriert. Schuhböck drängt nun: „Wir ersuchen Sie höflich, diese Werbung für die Röhre zu unterlassen und unsere Schutzmarke nicht zugunsten des neuprojektierten Semmering-Basistunnels zu missbrauchen, der ebenso gravierende Beeinträchtigungen des Natur- und Wasserhaushaltes der Region Semmering mit sich bringen wird, wie das alte inzwischen sang- und klanglos verstorbene Semmering-Basistunnel-Projekt.“
Die AFN kritisiert: „Der Verein Freunde der Semmeringbahn sollte, wie sein Name schon besagt, für die Erhaltung und den Fortbestand der Semmeringbahn eintreten und nicht ein Projekt unkritisch präsentieren, welches das Weltkulturerbe Semmeringbahn und umgebende Landschaft aller Voraussicht nach beeinträchtigen bzw. gefährden wird!“
Auch Mag. Peter J. Derl von der Bürgerinitiative „Stopp dem Bahn-Tunnelwahn“ (www.mariaschutz.at) kritisiert die Basistunnel-Werbung der Freunde der Semmeringbahn heftig: „Also ich finde es ungehörig, dass die Freunde der Semmeringbahn Werbung für den Semmering-Basistunnel mache, ohne auch nur mit einem Wort auf die immensen Gefahren für die Umwelt hinzuweisen. Die Freunde der Semmeringbahn sollten eigentliche für den Erhalt der Ghegabahn eintreten und nicht die Totengräber der Welterbestrecke spielen. Es wird zwar behauptet, dass die historische Bergstrecke nach dem Tunnelbau aufrecht bleibt? Aber wer weiß wem die ÖBB dann gehören? Dann gibt es nach drei Jahren eine Studie, die belegt, dass die Bergstrecke keine Gewinne abwirft – und dann wird sie wegen Unwirtschaftlichkeit zugesperrt. Niemand garantiert den Weiterbestand der Bergstrecke nach dem Tunnelbau.“ Und was politische Versprechen wert sind, mag sich jeder selber ausmalen. Dazu hilft, sich zu erinnern, was Politiker vor Wahlen verkünden – und danach rasch wieder vergessen. Vor allem ist die Notwendigkeit des Basistunnels noch immer nicht belegt. Das frühere Argument der europäischen Fernverkehrskonzepte, die mit dem Tunnel bedient werden sollten, ist schon seit Jahren obsolet. Die Südbahn ist nun einmal keine europäische Hauptverkehrsstrecke, auch wenn sich das die ÖBB noch sosehr wünschen. Es ist eine reine innerösterreichische Verbindung ohne – abgesehen vom Tourismus – außergewöhnlich großer Bedeutung für die europäischen Fernnetze.
Peter Derl: „Wenn man die immensen Schulden für den Tunnel – da gehören Semmering und Koralmtunnel zusammen – nicht macht, kann man das komplette Bahnliniennetz in der Steiermark und in Kärnten modernisieren und damit die Bahn für die Menschen attraktiver machen. Ich bin ein Freund der Bahn und daher vehement gegen den Tunnelbau!“





5. Juli 2010 




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