Grenz überschreitender Widerstand gegen Semmering-Basistunnel

Bürgerinitiativen und Alliance For Nature kämpfen vereint gegen umstrittene Röhre

In Niederösterreich und in der Steiermark formiert sich der Widerstand gegen SBT. „Semmeringbahn statt Tunnelwahn“ – das war schon das Motto des Widerstandes gegen den alten  abgesoffenen Basistunnel. Dem Semmering-Basistunnel neu weht jetzt unter der alten Flagge neuer Widerstand entgegen. Heute trafen steirische und niederösterreichische Tunnelgegner in Wien zusammen.

 

Vor allem die betroffene Bevölkerung nördlich und südlich des Semmerings sieht nicht ein, dass sie für ein rein parteipolitisch beschlossenes Tunnelprojekt zum Handkuss kommen sollte. Die Bürger fürchten um ihren Grund und Boden, um ihr Eigentum und Biobauern um ihre Existenz. Denn sollten sie sich nicht freiwillig ablösen lassen, droht ihnen beinhart die Enteignung.

Schulterschluss der Niederösterreicher und Steirer gegen die Tunnelröhre

Nicht alle Niederösterreicher sind gegen den Tunnel und nicht alle Steirer für den Tunnel. Doch mittlerweile formiert sich eine immer größer werdende Zahl an Bewohnern und österreichischen Steuerzahlern im Kampf gegen die unnötige und sündteure Tunnelröhre. Die „Alliance For Nature“ schmiedet wieder eine Allianz mit der betroffenen Bevölkerung. Schon vor 10, 15 Jahren konnte eine Allianz zwischen der betroffenen Bevölkerung, den Bürgerinitiativen und „Alliance For Nature“ das Projekt des alten Semmering-Basistunnels verhindern, von dem selbst die Betreiber heute zugeben, das dieses dem Wasserhaushalt des Semmerings geschadet hätte. „Alliance For Nature“-Generalsekretär DI Christian Schuhböck: „Die Problematik hat sich nicht wesentlich geändert!“ Dementsprechend hat sich „Alliance For Nature“ dazu entschlossen, der betroffenen Bevölkerung ihre Unterstützung anzubieten und gegen den neuen Semmering-Basistunnel Stellung zu nehmen.

Die Forderungen nach dem Aus für die überaus umstrittenen wiederbelebten Tunnelidee durch den Semmering formulierte die Alliance For Nature, ihr verdankt die historische Ghegabahn den UNESCO-Welterbestatus, mit Daten und Fakten:

Die Natur-, Kultur- und Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“ (Allianz für Natur; AFN), Betreiberin der Initiative „Weltkulturerbe Semmeringbahn“, spricht sich gegen das neue Semmering-Basistunnel-Projekt (SBT neu) aus, fordert seine endgültige politische Absage und begründet dies u.a. wie folgt:

Verkehrspolitische Unnotwendigkeit des sündteuren Milliardenprojektes

Die Kapazitäten der Semmeringbahn sind vollkommen ausreichend:

derzeit queren rund 150-160 Züge pro Tag den Semmering

- davon 70 – 75 Personenzüge (ca. 45 – 50 IC/EC-Züge, ca. 25 Regionalzüge)

- und etwa 80 Güterzüge

Die Kapazitäten der Semmeringbahn betragen je nach Studie zwischen 211 und 316 Züge – im Extremfall sogar 550 Züge pro Tag (Prognos-Studie: 211 Züge, Rechnungshof: 252 Züge, TU-Wien: 316 Züge, in Hochleistungsblocks gefahren liegt das Kapazitätsmaximum bei 550 Zügen!)

 

Der Alpen querender Güterverkehr ist rückläufig

 

Die Verlagerung des schweren Güterverkehrs gegen Osten geht unvermindert weiter

Österreich wird ohnedies bereits zunehmend über das ungarische Flachland umfahren. Seit dem Lückenschluss der rd. 43 km langen Trasse zwischen Murska Sobota (Slowenien) und Zalalövö (Ungarn) im Mai 2001 verlagert sich der Güterverkehr gegen Osten.

Eisenbahn-Korridor V über die EU-Mitgliedsländer Slowenien und Ungarn

(Baltikum, Ukraine) – Kiew – Lvov (Lemberg) – Užhorod – ukrainische-ungarische Grenze – Budapest – ungarische-slowenische Grenze – Maribor – Ljubljana – Koper (Hafen; Adria)

Die Südbahn ist keine europäische Nord-Süd-Hauptstrecke mehr.

Semmering-Basistunnel nicht mehr im Interesse der EU keine EU-Förderungen

Verkehrsministerin Bures versucht künstlich Schwerverkehr durch Österreich zu lotsen. Die Folge wäre eine unerwünschte Belastung von Natur und Menschen in den engen Alpentälern (Mur-Mürz-Furche).

 

Fahrzeitverkürzung

- alter SBT (rd. 22 km): ca. 23 min.

- neuer SBT (rd. 28 km): ? (möglicher Weise rd. 20 min.)

- relevant nur im Personenverkehr rund um den Semmering

- irrelevant im Güterverkehr (Waggons stehen oft tagelang in Verschubbahnhöfen)

Energieeinsparung

- im Personen- und Güterverkehr gegeben

- wieviel Energie für Tunnelbau?

- wann Amortisierung des Energieaufwandes?

Vorspann-Lokomotiven

- für Güterverkehr zweifellos notwendig

- für schwere Güterzüge im neuen SBT wahrscheinlich ebenso (Gloggnitz – Mürzzuschlag)

- Langenwang (urspr. politisch vorgegeben)?

 

SBT neu – eine rein parteipolitische Entscheidung

„Das Projekt des neuen Semmering-Basistunnels beruht allein auf einer parteipolitischen Entscheidung, das auf Kosten der Natur, Kultur und der Menschen realisiert werden soll“, kritisiert Alliance-Generalsekretär Christian Schuhböck. „Nur weil man einer Parteikollegin politische Schützenhilfe leisten wollte, sollen nun ein äußerst bedeutsames Kulturerbe Österreichs, zwei Landschaftsschutzgebiete und ein Natura-2000-Gebiet aufs Spiel gesetzt bzw. beeinträchtigt werden.“

Kostenexplosion

alter Basistunnel (SBT)

- 4,2 Mrd. ATS (1990) – 7,9 Mrd. ATS (1997) – 8,6 Mrd. ATS (1999) – 10,0 Mrd. ATS (Bauende 2008) (jeweils ohne Kapitalkosten)

d.s. umgerechnet rd. 725 Mio. Euro

neuer Basistunnel (SBT neu)

- 2.800 Mio. Euro (rd. das 4-fache)

Semmeringbahn (Bestandsanierung)

- rd. 205 Mio. Euro (vorgesehenes Investitionsvolumen; weniger als 1/10 der

SBT-Kosten)

Befürchtungen hinsichtlich Natur- und Wasserhaushalt

Beeinträchtigungen des Wasser- und Naturhaushaltes

Wasserdrainagierungen von rd. 350 l/s (allein in den Schwarza-Fluss)

negative Auswirkungen auf das Natur- und Landschaftsgefüge auf einer Fläche von rd. 90 bis 450 m²

Schüttungsminderung zahlreicher Quellen, Trockenfallen von Bachoberläufen

Zerstörung von Feuchtgebieten

Schädigung von Fauna und Flora sowie des Waldbestandes

Störung des Wasserregimes

Semmering – auf nationaler und internationaler Ebene geschützt

Quellschutzgebiet

Denkmalschutz für die Semmeringbahn seit 1923

Landschaftsschutzgebiet „Rax-Schneeberg“ seit 1955

Landschaftsschutzgebiet „Stuhleck-Pretul“ seit 1981

                per Verordnung vom 26. März 2007 massiv verkleinert worden

Schutzgebiet gemäß Alpenkonvention seit 1995

Natura-2000-Gebiet „Nordöstliche Kalkalpen“ seit 1998

Weltkulturerbe „Semmeringbahn mit umgebender Landschaft“ seit 1998

Chronologie des Weltkulturerbe „Semmeringbahn und umgebende Landschaft“

Januar 1993 Start der AFN-Initiative „Weltkulturerbe Semmeringbahn©“

März 1993 Beitritt Österreichs zur UNESCO-Welterbe-Konvention

1997 „Alliance For Nature“ erstellt Dokumentation über die Semmeringbahn

März 1998 „World Railway Heritage Conference“ in York (England)

Dezember 1998 Erklärung der Semmeringbahn zur UNESCO-Welterbestätte

Die Semmeringbahn wird die 1. Eisenbahn-Welterbestätte der Welt!

Mai 1999 Welterbe-Feier am Semmering samt Urkunden-Verleihung

August 2008 „10 Jahre Weltkulturerbe Semmeringbahn“

Sommer 2010 Einleitung des UVP-Verfahrens für den SBT Gefährdung des „Weltkulturerbes Semmeringbahn“

Keine Garantie für den Fortbestand der Semmeringbahn nach Realisierung des SBT

Der „Verein Freunde der Semmeringbahn“ (Obmann Bgm. Horst Schröttner), ein Zusammen-schluss der Gemeinden zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag, sollte sich für die Erhaltung der Semmeringbahn einsetzen. Stattdessen betreibt er Informationsarbeit und Promotion für den SBT. Die Bürgermeister vertrauen auf die Zusage der ÖBB, dass die Semmeringbahn auch nach Realisierung des SBT erhalten bleibt und betrieben wird.

Diese Blauäugigkeit ist erstaunlich, gibt es doch keine wie auch immer geartete Garantie für den Fortbestand der Semmeringbahn. Und selbst wenn eine Garantieerklärung abgeben werden würde, kann diese zu einem späteren Zeitpunkt für „Null und Nichtig“ erklärt werden.

Semmeringbahn –Fall für die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten?

„Sollte die Semmeringbahn tatsächlich einmal durch einen Basistunnel ersetzt werden, könnte dies zur Stilllegung und schlimmstenfalls zum Verfall dieser bedeutenden Gebirgs- und Landschaftsbahn führen. Eine Eintragung in die ‚Rote Liste des gefährdeten Welterbes’ wäre die Folge“ schreibt Prof. Dr. Bernd Frhr. von Droste zu Hülshoff, Gründungsdirektor des UNESCO-Welterbe-Zentrums und Berater der UNESCO für das Welterbe im Buch „Weltkulturerbe Semmeringbahn“ (Kral-Verlag; ISBN: 978-3-902447-70-8).

Keine Kommentare ... Sei der erste der antwortet.

Schreibe eine Antwort

Sie müssen angemeldet sein um eine Antwort zu schreiben.