Schlepperkriminalität, Menschenhandel und Versklavung!

Rund 50 Besucher verfolgten am gestrigen Mittwoch gespannt den ersten von vier Themenabenden der Neunkirchner Integrationsgespräche, die von der Caritas Wien gemeinsam mit der Stadtgemeinde Neunkirchen organisiert werden.  

Im Sparkassensaal der Musikschule Neunkirchen diskutierten im Anschluss an die Österreich-Premiere des Films „Fatale Versprechungen“ von K. und A. Rohrer Gerald Tatzgern vom BKA – er ist der Leiter der Zentralstelle für Schlepperkriminalität und Menschenhandel, Barbara Prettner, Geschäftsführerin des Autonomen Frauenhauses Neunkirchen und Anneliese Rohrer, Journalistin und Produzentin des vorab gezeigten Films. Moderiert wurde der interessante Abend von Caritas Projekt-Leiterin Mary Kreutzer.

„Geschlechterverhältnisse und Integration“: Anneliese Rohrer, Mary Kreutzer von der Caritas Wien, Vizebürgermeister Mag. Martin Fasan, Stadträtin Ilse Steiner, Barbara Prettner vom Frauenhaus Neunkirchen, Alicia Allgäuer von der Caritas Wien, Gerald Tatzgern vom BKA und Gemeinderätin Mag. Birgit Kögler (v.l.)

Nach dem beeindruckenden Film, in dem Frauen und Männer von ihre Versklavung in der Prostitution, der Apfelernte oder des Krabbenfangs erzählten, berichtete Anneliese Rohrer von den Schwierigkeiten, mit Opfern in Kontakt zu kommen. Barbara Prettner berichtete, wie traumatisiert ihre Klientinnen im Frauenhaus Neunkirchen oft sind. Sie betonte, dass es besonders für Migrantinnen schwierig ist, sich an öffentliche Einrichtungen zu wenden. Gerald Tatzgern stellte klar: „Ein großes Problem ist des Nachweis des Faktors Ausbeutung, ohne den kein Gerichtsverfahren zustande kommen kann.“

Aus dem Publikum wurden besonders Themen, die in der eigenen Gemeinde von Bedeutung sind, heiß diskutiert. So brachte Vizebürgermeister Martin Fasan die Sprache auf das Problem der Zwangsverheiratungen und arrangierten Eheschließungen bei türkisch-stämmigen Familien. In Neunkirchen ist dieses Problem virulent. Gerald Tatzgern pflichtete bei, dies sei ein großes Problem, man könne nur in Dunkelziffern sprechen. Barbara Prettner wies in diesem Zusammenhang auf die besonderen Schwierigkeiten von Betroffenen hin, wenn es darum geht, aus einer solchen Situation auszubrechen. Immer wieder bietet das Frauenhaus Schutz für Frauen mit diesem Problem. Der interessante Abend klang bei einem gemütlichen Imbiss mit interessanten Gesprächen aus. „Ein gelungener Start der Neunkirchner Integrationsgespräche – die Sensibilisierung hat begonnen“, resümieren die Veranstalter.

 Alle weiteren Termine der Neunkirchner Integrationsgespräche finden sich unter: www.zusammenreden.net/neunkirchen bzw. www.neunkirchen.gv.at.

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