Erger Unlimited | I Was There | dam dam rocords / Extraplatte
Bob Dylan hat es ihm angetan, Wolfgang Amadeus Mozart weniger, dem Karl Ossberger aka Egon Erger. Der in Wien werkende Neunkirchner Singer und Songwriter steht hinter „erger unlimited“ – und seine CD „I Was There“ ist wirklich unglaublich gut.
Die Songs erinnern angenehm an die grüne Welle der 1970er, als Daumen hoch nicht für „gefällt mir“ auf Facebook stand, sondern „nimm mich mit, Automobilist“ an den Landstraßen und Autobahnen dieser Welt bedeutete, Straßen und Länder, die Egon Erger damals – ebenso wie der Verfasser dieser Zeilen – mit dem Rucksack trampend bereiste. „father father the sky is green, its turning into white, father father the sky is green, i´m looking for a ride”, schrieb Erger dazu 1974. Als der damals 16-Jährige anfangs der 1970er Jahre per Autostopp nach Oxford unterwegs ist, spielt ihm der britische Student, der ihn im Auto mitfahren lässt, während der langen Fahrt quer über den alten Kontinent abwechselnd ausschließlich zwei Musikkassetten vor, mehr hat er nicht dabei. Zwei Musikcassetten, eine mit Wolfgang Amadeus Mozart, die andere mit Bob Dylan. Der junge Tramp ließ Bob Dylan einsickern und steckte sich dabei gleichzeitig mit der Vorliebe für amerikanische Folk-, Blues- und Country-Music an, daraus wurde eine lebenslängliche Infektion. Seit damals schreibt Egon Erger eigene Songs und gab regelmäßig Konzerte. Da war er noch der Karl Ossberger, seit zehn Jahren steht der Neunkirchner mit wechselnden Musikern unter dem Namen Erger Unlimited auf den diversen Bühnen unseres Landes. Jetzt, so scheint es, hat sich der Kreis geschlossen, und die vorliegende Silberscheibe bringt die langjährige Erfahrung von Egon Erger als Musiker und Liederschreiber so richtig schön und wohlklingend auf den Punkt.
Die neue CD, die Egon Erger im vergangenen Sommer reif werden ließ, bringt Folk, Blues, Jazz und Country in eben dieser grünen Folkmischung, die schon der alte Dylan unters folkbegeisterte Flower-Power-Volk streute. Der Neunkirchner Songwriter schuf eine spannende Melange, die durch seinen persönlichen Stil eine unverwechselbare Authentizität bekommt. Die elf Songs stammen allesamt aus Ossbergers Feder und spannen sich über einen sehr weiten zeitlichen Rahmen. Das eingangs zitierte „Father, father“ stammt aus den 1970ern, als die Jugend halb Europas und darüber hinaus per Daumen unterwegs war. „Synopsis“, „Cloud eleven“ und „One“ wurden hingegen erst während der Produktion der vorliegenden Silberscheibe im vergangenen Sommer zu Papier gebracht. Ergers Texte erzählen von historischen Ereignissen, von Liebe und Tod, irrealen, verrückten und ganz normalen und banalen Situationen, greifen sozialkritische Themen auf und reflektieren auch autobiografische Elemente. Erger liebt lange Pausen in den Stücken und zum Teil sehr reduzierte Arrangements ebenso, wie kreischende Elektrogitarren und Uptempo-Stücke, und das alles verbreitet eine ausgesprochen angenehme laid back-Atmosphäre, quasi Hängemattensoundtrack.
Das Projekt kam über Kleinanzeigen in der Stadtzeitung Falter auf die Beine. “Musiker für nicht-kommerzielles Musik-Projekt im Genre Singer/Songwriter gesucht. Bitte melden unter…”. Mit dieser Suchmeldung fischte Egon Erger in den letzten Jahren immer wieder in der Residenzstadt, um Musiker für sein Bandprojekt Erger Unlimited zu finden. Dass sich die lange Suche nach den richtigen Mitmusikern letztendlich ausgezahlt hat, beweist das vorliegende Album “I Was There”. Und wen hat Erger da aus dem großen Teich gefischt? Den Gitarristen Patrick Zöchling, Bassist Gerhard Wunderl, Tastenvirtuosen Herb Sinus, Drummerboy Peter Barborik und Percussionist Micha Schwarz. Dem Sextett ist es auf wunderbare Weise gelungen, Ergers mehr als 40-jährige Erfahrung als heimischer Singer/Songwriter mit einem energiegeladenen Band-Projekt perfekt zu fusionieren.





27. Januar 2012 








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