Susanna Ridler [koe:r] | Susystems |Electroland Records Vienna / Hoanzl

Man wird ja noch träumen dürfen… vor allem in Zeiten der Allgegenwart von Musikstilen, der technischen Verfügbarkeit unendlich vieler Musikepochen darf man es wagen, eine Verschmelzung von Pop, Jazz, Elektronik, Funk und Rock anzustreben. Von diesem Traum handelt Susanna Ridlers neueste CD „Susystems“, die seit Freitag wohlfeil ist.

Am Traumbeginn stand allerdings keine am Reißbrett konstruierte Form von Fusionmusik, es waren Emotionen. Susanna Ridler aka [koe:r] erinnert sich: „In ihrer Bandbreite – zwischen Melancholie und Exaltiertheit – sind sie gewissermaßen Frühindikatoren für Kompositionen. Sie geben Hinweise auf Motive, lösen Melodien, Klänge, Rhythmen, Gedanken wie Texte aus, die ihrerseits wiederum den Gefühlshaushalt gehörig durcheinander bringen können“, so die Komponistin, Arrangeurin und Sängerin. Bis nach einem solchen Match „zwischen Empfindung und Material ein auskomponierter Song dasteht, durchlaufen die Elemente einen aufwändigen Prozess der Formung und Verfeinerung. Sie landen als zu bearbeitende Fragmente im Computer, erlangen dort ihre erste Form. Danach werden sie von meinen Kollegen live eingespielt und schließlich von mir am Computer in ein endgültiges Arrangement übergeführt.“
Angereichert durch die Improvisationen der wunderbaren Musiker Peter Herbert (Bass), Florian Kmet (E-Gitarre), Alexander Lackner (Bass), Gerald Preinfalk (B-Klarinette) und Wolfgang Puschnig (Saxophon), deren Ideen von Ridler durch einen Prozess der ,Comprovisation‘ in die Stücke eingeschmolzen werden. Dass eine derartige Methode zu stilistischen Mischergebnissen führt, ist eine logische sich ergebende Folge. Elektronik, Pop und Jazz ordnen sich zu einer hoffentlich interessanten Einheit, artifizielle Sounds und die Aura improvisierender Individualisten überlagern einander. Kurzum: Die Sängerin, die immer wieder Erinnerungen an Laurie Anderson weckt,  versuchte, verschiedene stilistische und methodische Traditionen zu bündeln, um einen individuellen Ausdruck zu finden.
Der Eröffnungstrack Walk ist ein grooviger Mix aus Jazzrock und Funk, mit kontrapunktischer Behandlung der Instrumente. Farewell hingegen eine düstere Popballade, in der eine Stimme lichtvoll gegen die Dunkelheit ankämpft. Der Standard You go to my Head  wiederum präsentiert sich als Portrait einer durch eine fixe Idee zu immer exaltierteren Gefühlsäußerungen gedrängten Figur.
Winter prägt eine angstvoll sich steigernde Stimmpoesie und Plastic Mutation kommt als ausgelassene Improvisation eines Kunstwesens daher. Navigation System Crash ist ein quasi cooljazziger „Pas de Deux“ zwischen Instrumenten und Stimme. Der Standard Angel Eyes handelt auf funkrockiger Grundlage von zornig herausgeschriener Sehnsucht.
Bits and Pieces wiederum kommt smoothjazzig daher, erfährt jedoch eine dynamische Stimmenvermehrung. Wayfaring Stranger ist eine sanfte Meditation über den Tod. Dreaminiscence ist ein abstrakt dahinschwebendes, atmosphärisches Klang- und Melodiegemälde von eigenwilliger Form. SusysteMix schließlich: eine groovige Paraphrase über einige melodische Eckpfeiler dieser CD.
Neben der stilistischen Vielfalt, Ridlers sanfter, diskret-ausdrucksvoller Stimme, gehört die Verbindung von elektronischen und akustischen Instrumenten zur Besonderheit von „Susystems“.
Ridler: „Diese Verschmelzung soll ein stimmiges, spezielles Klangbild hervorbringen. Auch versuche ich, jede Note quasi bewusst zu gestalten, was zu einem aufwändigen Komponier- und Arrangierprozess führt. Eine CD ist schließlich mehr als eine Momentaufnahme.  Sie ist eine Art Musikgemälde, an dem es extrem zu feilen gilt.“
Susytems also…
An dieser Schnittstelle von artifizieller Elektronik, Smoothjazz, Poppoesie und Funkrock begegnen einander schillernde Gestalten: Melancholische Träumer mutieren zu exaltierten Expressionisten. Lichtwesen erhellen die Soundfinsternis, und zum Vorschein kommen scattende Kunstfiguren, Stepptänzerinnen, denen Funk und Fusion Energie einhauchen. Da sind Poeten, die für ihre Gedichte nur Melodien brauchen, jedoch gerne den Kontakt mit der Spontaneität von Improvisatoren aufnehmen. Susystems: Ein schillerndes Völkchen lebt seine Exzentrik inmitten bisweilen labyrinthischer Songformen aus. Inmitten atmosphärisch dichter Kompositionsräume, in denen sich auch der Traum von einer Verschmelzung zwischen Tradition und Moderne materialisiert.
Der Silberling ist Gold für meine Ohren und ein seltenes Kunst-Werk mit wunderbar entspannender Wirkung, wie es nur alle heiligen Zeiten auftaucht aus dem unendlich flachen Meer des Alltäglichen.

Mehr Info: www.koer.at

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