Eltern müssen ihre Kleinen selbst zum Kindergarten taxeln!
Seit 6. Februar ist der Hirschwanger Kindergarten geschlossen – angeblich vorübergehend. Schichtarbeitende Eltern sind sauer und wissen nicht, wie sie ihre Kinder in andere Kindergärten bringen sollen, da auch der Kindergartenbus seitens der Gemeinde Reichenau längst eingespart wurde.
Die Probleme mit der Hirschwanger Kindergartenschließung sind vielfältig: Dass die Eltern erst am 30. Jänner definitiv von der vorläufigen Schließung mit 6. Februar informiert wurden, die betreffenden Kinder nun mitten im Kindergartenjahr auf die Kindergärten in Edlach und Reichenau aufgeteilt werden sollen und, dass einige der Eltern nicht mal die Möglichkeit haben, ihre Kinder in einen anderen Kindergarten zu bringen, da es ja den Kindergartenbus auch nicht mehr gibt und im Fabriksort Hirschwang nun einmal auch Schichtarbeiter Kinder haben!
„Dass es bezüglich der Kinderanzahl und des Personals im Kindergarten Hirschwang zu Problemen kommen wird, war seit November 2011 bekannt“, kritisiert SP-Fraktionsvorsitzender GGR Wolfgang Reiter, „Die Vorgehensweise des Bürgermeisters ist skandalös. Die Eltern und das Personal so kurzfristig von so wichtigen und prägenden Änderungen zu informieren ist absolut unglaublich.“
Sükrü Kapti ist einer dieser Schichtarbeiter. Er hat eine dreijährige Tochter und Kaptis Gattin besitzt keinen Führerschein. Im Gespräch mit Schwarzataler online skizziert der Schichtarbeiter: „Es geht um den Kindertransport. Ich bin Schichtarbeiter und wenn ich Frühschicht habe, kann ich unsere Tochter nicht in den Kindergarten nach Edlach bringen. Ich bin nicht der Einzige, der da Probleme hat.“ Als der Hirschwanger Kindergarten noch geöffnet war, war das einfach, denn da brachte Kaptis Gattin die Dreijährige in den Kindergarten – ein Fußweg von wenigen Minuten. „Ich kann ja nicht jeden Tag zum Chef gehen und sagen, ich muss weg, weil mein Kind in den Kindergarten muss“, klagt Kapti. Und die Anfrage nach einem Kindergartenbus – der wurde in der finanzmaroden Abgangsgemeinde auch schon vor längerer Zeit eingespart – brachte auch nur Frust. „Ein diesbezügliches Gespräch auf der Gemeinde dauerte grade einmal zehn Minuten. Es hieß, es tut uns leid, aber beim Kindertransport können wir nichts machen, das müssen sich die Eltern halt untereinander ausmachen…“, so Kapti.

Mit der Schließung des Hirschwanger Kindergartens begannen für die Eltern die Probleme - Sükrü Kapti und SP-Chef Wolfgang Reiter an der verschlossenen Kindergartentür
Da sollten also unausgeruhte Nachtschichtler als Kindergartentaxler einspringen? SP-Sprecher Wolfgang Reiter kritisiert: „Das ist einfach unglaublich. Was ist, wenn da ein Unfall passiert mit einem übernächtigen Vater am Steuer, der gerade eine anstrengende Nachtschicht heruntergespult hat und dann Kleinkinder zum Kindergarten fahren muss…“ Und Vater Kapti schimpft: „Das ist ein Kasperltheater: Die Gemeinde spart auf der falschen Seite, bei den Kindern. Kinder sind unsere Zukunft.“ Und ein diesbezügliches Gespräch mit VP-Bürgermeister Hans Ledolter am vergangenen Montag kam auch nicht zustande, weil der Bürgermeister nicht erreichbar war.
„Beim Elternabend im November des Vorjahres auf dem Gemeindeamt wurden die Probleme angesprochen und die Eltern zeigten Verständnis für die wirtschaftlichen Probleme der Gemeinde, besonders als der dringende Wunsch der Eltern, den Kindergarten Hirschwang bis zum Ende des laufenden Kindergartenjahres offen zu halten, wurde real in Aussicht gestellt . Es gab da eine klare Prioritätenliste: An erster Stelle stand, dass der Kindergarten in Hirschwang weiter betrieben werden soll – und sollte das nicht gehen, dann erst mit Ende des Kindergartenjahres zu schließen. Also einen ordentlichen Abschluss und nicht mitten im Jahr plötzlich alles neu. Das ist eine Katastrophe für die Kinder und etliche Eltern“, erinnert sich Wolfgang Reiter und warnt, „Aus unserer Sicht ist die finanzielle Situation der Hauptgrund dieser unsozialen und kinderfeindlichen Entscheidung. Anscheinend muss leider aufgrund der finanziellen Situation mit weiteren Schließungen von Gemeinde-Einrichtungen gerechnet werden.“
Auch Wolfgang Mollenkopf von der FP ist wenig erfreut: „Außer der ÖVP und den Eltern der betroffenen Kinder, wurden wir als Gemeinderäte nicht einmal über die geplante Kindergartenschließung informiert! Ich sehe diese ganzen Vorgehensweisen und die drastischen Einsparungsmaßnahmen zum Nachteil der Reichenauer Bürgerinnen und Bürger noch immer als diktatorischen Alleingang der Gemeindeführung an! Seit der Wahl im März 2010 steuern wir direkt den finanziellen Untergang an. Wie wollen wir hier noch etwas retten, wenn wir nicht informiert werden und dann auch nicht einmal die Chance bekommen, mitarbeiten zu dürfen?“
Auf Anfrage meinte der Reichenauer VP-Bürgermeister Hans Ledolter gegenüber Schwarzataler online: „Uns war wichtig, dass die Bezugspersonen für die Kinder bleiben. Die Kleinen werden mitgehen nach Edlach und bei ihrer Bezugsperson bleiben und die älteren, die schon ein, zwei Jahre in Hirschwang waren, die kommen nach Reichenau. Es war ein starkes Argument, dass die Bezugspersonen bleiben. Den Zeitpunkt festlegen, war nicht möglich, weil niemand wusste, wann die Kindergärtnerin in Karenz gehen wird. Einige Eltern haben sicher gesagt: Nein, lasst den Kindergarten bestehen! Aber das war nicht möglich. Mit 23. Februar oder so geht die Kindergärtnerin in Karenz, das ist ein gleitender Übergang für die Kinder, die nach den Semesterferien an einem neuen Kindergarten beginnen.“
Eine SP-Anfrage liegt auch schon auf dem Tisch. Denn auf die Frage, warum die Gemeinde nicht schon früher mehr in den Kindergarten in Hirschwang investiert hatte, ließ der Bürgermeister dem Vernehmen nach verlauten, dass das Sache der Erzdiözese sei, da die Gemeinde für den Kindergarten, der der Erzdiözese gehört ja einen Haufen Miete zahlt. Dazu Wolfgang Reiterer: „Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass die Gemeinde gar keine Miete, sondern lediglich die Betriebskosten für den Kindergarten an die Erzdiözese zahlt!“ Und diese Kosten sind auch zu Zahlen, wenn der Kindergarten geschlossen ist. Dadurch scheint der Großteil des Einsparungseffekt gerade zu verpuffen.
Die Beantwortung dieser Anfrage soll ans Licht bringen, wem die Unschuldsvermutung schlussendlich umzuhängen ist…





23. Februar 2012 




Keine Kommentare ... Sei der erste der antwortet.