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Im Semmering-Basistunnel verlegen gigantische Maschinen 50.000 Betonelemente

An vier Stellen wird derzeit der Semmering-Basistunnel gesprengt, gegraben und gebohrt. Gigantische Vortriebsmaschinen verlegen ab Sommer jene Betonelemente, mit denen die Röhre ausgekleidet wird. Die Tübbinge werden bereits in Neunkirchen produziert.

Das Betonwerk in Neunkirchen hinter dem Blecha-Betrieb am Westrand des Föhrenwaldes stellt die für die Tunnelauskleidung notwendigen Tübbinge her. Im Lager liegen bereits Mengen dieser zwei Meter breiten, geschwungenen Betonteile gestapelt.

Das Tübbinglager neben der Betonfabrik in Neunkirchen

Die Tübbinge werden zum Fröschnitzgraben transportiert

Ein Tübbing ist ein vorgefertigtes Betonsegment für Versteifungen und Auskleidung im Tunnelbau. Im Semmering-Basistunnel bilden sechs Segmente einen vollständigen Ring und der Tunnel setzt sich aus einer Vielzahl von Ringen aneinandergebauten zusammen. Die Passgenauigkeit der Tübbinge liegt bei einer Fehlertoleranz von einem bis zu wenigen Millimetern.

Die Tübbinge werden im Semmering-Basistunnelbau von den Tunnelbohrmaschinen direkt im Zuge der Bohrung im Berg verlegt.

Um Kurven zu ermöglichen, werden die Betonsegmente so gegossen, dass sie leicht angeschrägt, das heißt an einer Seite einige Zentimeter breiter sind. Beim Einbau auf geraden Strecken werden die Tübbinge dann abwechselnd um je 180 Grad versetzt eingebaut, für Kurven wird dieser Versatz dann unterbrochen. So können Tübbingringe problemlos in großer Serie hergestellt werden.

Insgesamt werden im Semmering-Basistunnel rund 50.000 Tübbinge verbaut, wobei sechs Tübbinge ein zwei Meter langes Röhrenstück ergeben.

 

An vier Großbaustellen wird mit Hochdruck gearbeitet

Während in Gloggnitz mit Baggern und Sprengungen in Richtung Mürzzuschlag gebaut wird – aktuell ist man von Gloggnitz aus fast zweieinhalb Kilometer im Berg – wird vom Zugang Göstritz (Gemeinde Schottwien), der aktuell errichtet wird, sowohl in Richtung Gloggnitz als auch nach Mürzzuschlag gearbeitet.

Die vier Baulose Gloggnitz (r.), Göstritz, Fröschnitzgraben und Grautschenhof

Im Abschnitt Grautschenhof zwischen Spital am Semmering und Mürzzuschlag haben sich die Mineure erst über Schächte Hundert Meer in die Tiefe gearbeitet. Aktuell werden die beiden Tunnelröhren mit Baggern und Sprengungen sowohl in Richtung Mürzzuschlag als auch in Richtung Gloggnitz vorgetrieben.

Im Fröschnitzgraben liegt der mittlere Abschnitt des Semmering-Basistunnels. Von hier aus wird ebenfalls in Richtung Gloggnitz und Mürzzuschlag gebaut. Der etwa vier Kilometer  lange Abschnitt in Richtung Mürzzuschlag entsteht im Bagger- und Sprengvortrieb, der rund neun Kilometer lange Abschnitt in Richtung Gloggnitz wird mit zwei riesigen Tunnelbohrmaschinen gebohrt. Damit der Tunnelbau vom Fröschnitzgraben aus beginnen konnte, mussten zuerst zwei Schächte tief ins Innere des Berges gegraben werden und tief im Berg die französischen Vortriebsmaschinen zusammengeschraubt werden.

Von Mürzzuschlag aus wird nicht bergmännisch vorgetrieben. Rund um das Portal und den Bahnhof ist jedoch einiges geplant: Der Bahnhof mit seinem Vorplatz wird moderner, heller und kundenfreundlicher. Der Busbahnhof rückt näher zum Bahnhofsgebäude, so werden die Wege für die Bahnkunden verkürzt. Da die ÖBB-Infrastruktur auch in Zukunft mit deutlich mehr Bahnkunden am Bahnhof Mürzzuschlag rechnet, wird die bestehende Park&Ride-Anlage auf künftig 370 Parkplätze erweitert. Das zukünftige Portal wird sich rund 200 Meter vor dem derzeitigen Südbahnmuseum befinden. In Mürzzuschlag geht es mit den Bauarbeiten im Jahr 2019 los. Vorbereitende Maßnahmen, wie etwa Lärmschutz und Gleisarbeiten im Bereich Ziegenburg (Ausfahrt Richtung Bruck/Mur) werden bereits im heurigen Jahr vorgezogen.

Tunnelbohrmaschinen sind rollende Fabriken

Die Tunnelbohrmaschinen können nur dort zum Einsatz kommen, wo das Gestein sehr homogen, also gleichbleibend und relativ fest ist. Das ist in einem Drittel des Semmering-Basistunnels der Fall.

Die Megamaschinen wurden von NFM Technologies in der Nähe von Lyon (F) gebaut und legen vor ihrem Einsatz eine Tausend Kilometer lange Reise per Schiff und Schwertransporter von Frankreich zum Semmering zurück. Aus Platzgründen werden die beiden Bohrer hintereinander in Einzelteilen angeliefert und dann in 400 Meter Tiefe unter der Erde zusammengebaut.

Eine Vortriebsmaschine ist länger als ein Fußballfeld

Eine Vortriebsmaschine wiegt gigantische 2.500 Tonnen – das entspricht in etwa dem Gewicht von 400 Elefanten. 120 Meter sind diese Giganten lang.

Wie eine fahrende Fabrik unter der Erde kleiden Tunnelbohrmaschinen den ausgebrochenen Tunnel gleich mit Betonfertigteilen, den Tübbingen, aus. Im Sommer wird der erste Tunnelbohrer im Semmering-Basistunnel seine Arbeit aufnehmen.

 

Antransport der Tunnelbohrmaschinenteile https://www.youtube.com/watch?time_continue=30&v=7CVpRu5rzBk

Infos: ÖBB, Wikipedia / Fotos: Erwin Tisch, ÖBB, NFM Technologies / Video: ÖBB

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