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UNESCO kritisiert Bausünde im Semmering-Weltkulturerbe

Just zum 20-Jahr-Jubiläum des UNESCO-Welterbes Semmeringbahn und umgebende Landschaft sorgt ein Bauvorhaben in Breitenstein für Ärger: Die Gemeinde will mitten im historische Ortszentrum ein knallrotes Feuerwehrhaus bauen. Anrainer sind empört.

Im Auftrag der Österreichischen UNESCO-Kommission für Welterbe und Kulturgüterschutz haben nun Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Caroline Jäger-Klein (Präsidentin ICOMOS Österreich) und Dr. Günter Dinhobl (Monitoringbeauftragter Semmeringbahn) eine ausführliche Stellungnahme erarbeitet. Darin wird detailliert Kritik am geplanten Bauwerk geübt und eine ganze Reihe von Veränderungen empfohlen, unter anderem:

Ø  Abstimmung der Farbgebung auf das Ortsumfeld

Ø  Verminderung und Vereinheitlichung der Bauhöhe

Ø  Verbesserte Anpassung der Fenster und Garagentore

Ø  Kinderspielplatz auf begrüntem Flachdach statt Parkdeck

 

Auch DI DDr. Patrick Schicht (Bundesdenkmalamt – Abteilung für NÖ) hat sich ein Bild von der Situation gemacht und kritisiert das Fehlen eines Gestaltungsbeirats, der „frühzeitig und rechtlich einflussreich auf Planungen Einfluss im Sinne der Ortsbildverträglichkeit nehmen kann“. Dem Denkmalamt sind die Hände gebunden: Zwar befinden sich die beiden Nachbarhäuser auf der „Liste denkmalgeschützter Objekte mit besonderem Bezug zum Weltkulturerbe“, das Ortszentrum selbst steht aber nicht unter Ensembleschutz.

Eine Planskizze des geplanten Feuerwehrhauses im Breitensteiner Ortszentrum

Von der Gemeinde selbst ist leider kein Einlenken zu erwarten: Der als besonders beratungsresistent bekannte Bürgermeister Engelbert Rinnhofer (VP) will zudem den vorderen Teil des Hügels, auf dem das historische Gemeindeamt errichtet ist, abtragen lassen um dort einen überdachten Parkplatz zu errichten. Er hat sich bereits die Baubewilligung erteilt und gegenüber eienr Bezirkszeitung dezidiert  erklärt: „Das Feuerwehrhaus wird so gebaut, wie es geplant wurde – und aus!“. Verhandlungsspielraum: Null.

Und das Land Niederösterreich, das sich vertraglich zur Erhaltung des Weltkulturerbes verpflichtet hat und sich angeblich auch ganz besonders für die Ortsbildpflege engagiert? Dort versucht man sich mittels formaler Spitzfindigkeiten aus der Affäre zu ziehen. Landeshauptfrau Mag. Johanna Mikl-Leitner (VP) ließ den empörten BreitensteinerInnen lediglich ausrichten: „Das Projekt befindet sich nicht in einem denkmalgeschützten Ensemble. Bei der Gestaltung wurde Rücksicht auf das Welterbegebiet genommen, da kein Feuerwehrturm vorgesehen ist.“, berichtet Richard Weihs aus Breitenstein.

Foto: BETO Plan und Bau GmbH

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