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Mit Michi Polleres ist Judo wieder als Paradesportart Österreichs zurückgekehrt

Michaela Polleres holte in Judo in der Klasse bis 70 Kilo vor wenigen Tagen sensationell Olympia-Silber und schreibt damit Judo-Geschichte. Noch nie zuvor konnte ein Wimpassinger Judoka eine Olympia-Medaille in der Allgemeinen Klasse erkämpfen. Sie ist außerdem erst die zweite Frau, nach Claudia Heill (Silber in Athen 2004), die eine Olympische Judo-Silber-Medaille nach Österreich bringen konnte. Die Stadtgemeinde Neunkirchen gestaltete Michaela Polleres am gestrigen Samstag auf der Sommerbühne am Hauptplatz einen festlichen Empfang.

„Es ist unbeschreiblich. Eine Olympia-Medaille ist eindeutig das Größte, was man gewinnen kann. Ich bin so froh, dass es so gut gelaufen ist und bin auch richtig stolz auf meine Kämpfe“, strahlt Michi Polleres.

„Die Medaille ist das größte, was es gibt“, freut sich die überglückliche Bezirkssportlerin. Erst im Finale musste sich Polleres als Olympia-Debütantin der zweifachen Weltmeisterin Chizuru Arai aus Japan geschlagen geben. Einen Tag nach dem Gewinn der Bronze-Medaille durch Team-Kollege Shamil Borchashvili in der Klasse bis 81 Kilo von Multikraft Wels legte Michi Polleres vom JC Wimpassing Sparkasse mit ihrem Vize-Olympia-Titel noch eines drauf. „Ich habe alles gegeben, bis zur letzten Sekunde. Es hat leider nicht ganz gereicht. Ich bin trotzdem voll zufrieden und überglücklich mit meiner Silbermedaille. Der Druck war schon sehr groß, aber die Silber-Medaille ist ein Wahnsinn. Jetzt freue ich mich schon riesig auf´s nach Hause kommen.“ sagt die erfolgreiche Olympionikin.

Michis Weg zu olympischem Silber in Tokyo

Michi Polleres setzte sich im altehrwürdigen Budokan, wo Judo erstmals 1964 als Olympischer Bewerb durchgeführt wurde, in ihren Vorrunden sehr energisch durch. In Runde eins wurde die WM-Fünfte Megan Fletcher aus Irland mit Wazaari für Ura-nage (Aushebetechnik) bezwungen.

Die durch ihre Abtauchtechniken sehr gefährliche Südkoreanerin Kim Seongyeon konnte sie in Runde zwei erst in der Golden Score Überzeit mit Wazaari für Beinfeger O-uchi-gari (große Innensichel) bezwingen.

Im darauf folgenden Poolfinale gegen die Weltmeisterin Barbara Matic aus Kroatien konnte sich die HSZ-Sportlerin für ihre Halbfinal-Niederlage bei der WM vor sechs Wochen revanchieren und siegte dieses Mal sicher mit Wazaari für Uchi-mata (Innenschenkelwurf).

Michaela Polleres (blau) qualifizierte sich im Kampf gegen die Holländerin Sanne van Dijke (weiß) sensationell für das Olympia-Finale.

Den wohl stärksten Kampf an diesem Tag lieferte die Niederösterreicherin im Halbfinale gegen die auf Nr. eins gesetzte Niederländerin Sanne Van Dijke, die sich, wie Michi, zuletzt bei der WM in Budapest über WM-Bronze freuen konnte. Die Holländerin versuchte in diesem Fight, mit tiefen Abtauchtechniken zum Erfolg zu kommen. Genau das wurde ihr aber zum Verhängnis. Michi Polleres konterte geschickt mit Selbstopferwurf Sumi-gaeshi, erhielt dafür eine Wazaari-Wertung, die sie bis zum Kampfende geschickt verteidigte. Die Wimpassingerin war damit sensationell für das Olympia-Finale in der Klasse bis 70 Kilo qualifiziert.

Das Finale gegen die Doppel-Weltmeisterin Chizuru Arai war kein leichtes Unterfangen. Letzten Endes entschied ein sogenannter „Sitzer“ diese Begegnung. Michi Polleres musste sich nach einem Beinfeger gleichzeitig mit beiden Händen abstützen, um nicht auf den Rücken zu landen und kassierte dafür regelentsprechend eine Wazaari-Wertung gegen sich. Diesen Vorsprung verteidigte die Japanerin geschickt bis zum Kampfende und holte sich damit Gold.

„Die Japanerin wusste, dass sie Michi auf keinen Fall am Körper lassen durfte. Darum setzte sie alles daran, um mit ihrem starken Griff Michi auf Distanz zu halten. Wir werden daran arbeiten, damit es bei der nächsten Begegnung schon ganz anders aussieht“, gibt sich Cheftrainer Adi Zeltner kämpferisch und ergänzt lobend, „Michi hatte einen außergewöhnlich starken Tag und mehr als verdient diese Olympia-Medaille erkämpft. Sie konnte, abgesehen vom Finale wirklich alles umsetzen, was sie bisher gelernt hat. Die Zusammenarbeit mit der neuen Nationalteamtrainerin Yvonne Bönisch funktioniert hervorragend. Michi fühlt sich rundum wohl und super betreut, nur darum sind solche absoluten Weltklasseleistungen, wie zuletzt der WM-Dritte und nun diese Olympia-Silber-Medaille, erst möglich. Dieser Erfolg kann als wahrer Meilenstein bezeichnet werden“, berichtet Heimtrainer Adi Zeltner.

„Ich bin unglaublich stolz auf Michi. Sie hat zwar etwas nervös begonnen, hat sich aber von Kampf zu Kampf enorm gesteigert. Sie ist der Ruhepol im gesamten Team. Manchmal macht mich ihre unglaubliche Ruhe richtig unruhig. Aber bei solchen Großevents, wie den Olympischen Spielen, die Nerven nicht wegzuschmeißen, ist sicher kein Nachteil“, beschreibt Headcoach Yvonne Bönisch die Ausnahmeathletin.

Somit sind die Olympischen Spiele in Tokio aus Sicht der Judoka die erfolgreichsten seit 1984 in Los Angeles, als Peter Seisenbacher Olympisches Gold nach Hause brachte.

Fotos: ÖÖC/GEPA Christian Walgram

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